Liebe Patienten und Interessierte,

Wir müssen an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass die hier abgelegten Info´s und FAQ´s nur für die 3-fache Beckenosteotomie nach Tönnis und Kalchschmidt in der Dortmunder Technik gelten. Eine Übertragung auf eine OP in einem anderen Haus ist nicht zulässig und wir können dafür keine Verantwortung übernehmen. 

 

 

 

Warum sprechen manche von einer Beckenosteotomie und andere von einer 3-fachen? Wo liegen die Unterschiede?

Jede Operation bei der der Knochen am Becken eingeschnitten wird, fällt unter dem Begriff der Beckenosteotomie. Es gibt sehr viele verschiedene Formen der Beckenosteotomie. Einige sind sehr alt und haben sich nicht etabliert. Viele Beckenosteotomien sind nach dem Namen des Erfinders benannt. Die Dortmunder Technik nennt sich 3-fache Beckenosteotomie nach Tönnis und Kalchschmidt. 3-fache bedeutet dabei, dass der Knochen an drei Stellen eingeschnitten wird. Die OP wurde Anfang der 80ér von Professor Tönnis in Zusammenarbeit mit K.Kalchschmidt am Klinikum Dortmund (damals Städtische Kliniken Dortmund) entwickelt.

 

Gibt es Alternativen zur 3-fachen Beckenosteotomie:

Es gibt noch eine Vielzahl anderer Beckenosteotomien. Neben der Dortmunder Technik ist noch die PAO (Periazetabuläre Osteotomie) bekannt. Diese wird schwerpunktmäßig in Bern (Schweiz) durchgeführt, wo sie auch entwickelt wurde. Diese Technik unterscheidet sich im Wesentlichen an dem Knochenschnitt am hinteren Pfeiler der Pfanne. Die Zugangswege sind auch etwas anders. Soweit die aktuellen Erkenntnisse es hergeben unterscheiden sich die Ergebnisse nicht wesentlich. Die Nachbehandlung ist auch sehr ähnlich. Wichtig ist immer, ein ausreichendes Training bevor man als Operateur einen derartigen Eingriff durchführt. Die Möglichkeiten der Pfannenschwenkung scheinen aber bei der 3-fachen Beckenosteotomie größer zu sein.

Eine Hüftarthroskopie kann bei einer Hüfttdysplasie nicht helfen. Sie kann sogar den Befund verschlimmern. Daher sollte man bei einer Dysplasie mit einer Arthroskopie der Hüfte zurückhaltend sein.

Eine isolierte Umstellung des Oberschenkelknochens ist bei einer Hüftdysplasie in der Regel nicht ausreichen, da die Hüftpfanne, die ja das eigentliche Problem darstellt dadurch nicht verändert wird. Somit kann die Oberschenkelumstellung nur in sehr wenigen Ausnahmefällen als alleinige Behandlung ausreichen.

 

 

 

Nachbehandlung / Nach der Operation:

 

Ab wann darf ich auf der Seite schlafen ?

Es ist erst nach 6 Wochen erlaubt auf der gesunden oder nicht operierten Seite zu schlafen. Wichtig  ist dabei, dass ein Kissen zwischen den Beinen gelegt wird. Das soll verhindern, dass das operierte Bein wegrutschen kann. Auf der operierten Seite darf man erst nach 4-5 Monaten liegen, da diese lange sehr empfindlich bleibt.

 

Darf ich auf dem Bauch liegen ?

Ab der 6. Woche nach der Operation darf man sich auf den Bauch legen. Auf dieser Seite ist ein Video dazu hinterlegt.

 

Wann darf ich in einem Auto mitfahren ?

Ab der 6. Woche dürfen Sie sitzen. Dann ist auch das Mitfahren in einem Auto für Strecken bis 30min gut möglich. Längere Strecken können erst nach 10 Wochen mitgefahren werden. Am besten ist dafür der Beifahrer-Sitz geeignet, da man die Rückenlehne zurücklegen kann.

 

Ab wann darf ich selbst Auto fahren ?

Damit muss man leider relativ lange warten. Bis die Reflexe zum Bremsen und alle Manöver zum Fahren wieder gut gehen dauert es 3-4 Monate ab dem OP-Tag.

 

Wann darf man sitzen ?

Bis zur 6. Woche darf man den Oberkörper nur bis auf 60° anwinkeln. Danach darf man aufrecht Sitzen. Man kann dann für 30min jeweils zum Essen sitzen. Anfangs wird dies gerade am Gesäß Schmerzen bereiten. Wenn dies gut toleriert wird, kann man die Zeiten zum Sitzen weiter ausweiten.

 

Ab wann kann man das operierte Bein voll belasten ?

Einige Patienten können schon ab der 6.-8. Woche mit 10kg belasten. Dies ist abhängig von einer Röntgenkontrolle, die uns zugesendet werden muss und von der Schwere der Dysplasie die operiert wurde. Ab der 12. Woche kann die weitere Aufbelastung erfolgen. Nach weiteren 4-6 Wochen wird dann schrittweise die Vollbelastung erreicht und man kann dann die Gehstützen zunehmend weglassen.

 

Wie kann ich nach der OP duschen ?

Viele Patienten besorgen sich hierfür einen höheren Stuhl. Diesen stellen die Pat. in die Dusche. Ab der 6 Woche kann dann auch ein Stuhl mit normaler Höhe in die Dusche gestellt werden.

 

Wann kann ich baden ?

Da es meistens schwierig wird, unfallfrei aus der Badewanne wieder auszusteigen, sollte man besser auf das Duschen umsteigen.

 

Wann kann ich wieder Sex haben ?

Wenn es zu regelmäßigen Stößen am Schambein/Symphyse oder auch am Po kommt, kann die Knochenheilung gestört werden. Es kann dabei auch zu einer Lockerung der Schrauben kommen. Das Risiko ist ab der 6. Woche deutlich geringer - aber noch nicht bei Null.

 

 

Muss ich nach der OP eine Reha machen ?

In den ersten Wochen (1-12. Woche) hat man viele Einschränkungen und daher macht hier eine Reha noch keinen Sinn. Nach der 12. Woche kann eine stationäre oder ambulante Reha den Muskelaufbau beschleunigen. Sprechen Sie uns bei ihrem 12-Wochen-Termin an.

 

 

Hat man nach der OP starke Schmerzen ?

Es gibt heute viele Methoden Schmerzen zu behandeln. Vor starken Schmerzen muss man heute keine Angst mehr haben. Wir haben hierfür ein spezielles Schmerzteam, dass jeden Pat. nach seinen Bedürfnissen mit Schmerzmitteln einstellt.

 

 

 

Kann man nach der OP wieder normal laufen ?

Durch die verbesserte Mechanik der Hüfte kann man nach der OP sogar besser laufen als vorher. Allerdings gilt das erst, wenn die Nachbehandlung abgeschlossen ist. Man verliert schon in den ersten Wochen mit den Gehstützen viel Muskelkraft und diese muss dann später mühsam wieder aufgebaut werden.

 

 

 

 

 

 

 

Vor der OP / Vorbereitung:

 

Ich nehme die Pille. Muss ich dabei etwas beachten ?

Die Pille muss mindestens einen Zyklus vor der OP abgesetzt werden. Auch bei den neuen Präparaten die nur Gestagene enthalten stellt sich zunehmend raus, dass diese das Thromboserisiko erhöhen. Deswegen sollten Sie die Pille zu Ihrem eigenen Schutz vorher absetzen.

 

 

 

Ich nehme Marcumar. Muss ich dabei etwas beachten ?

Das Marcumar muss man rechtzeitig vor der OP (ca. 14 Tage) absetzen und dafür ersatzweise Heparin-Spritzen benutzen. Dann kann die OP durchgeführt werden. Es ist aber dabei wichtig, warum Sie das Marcumar nehmen. Wenn sie dieses nur für einige Monate brauchen, dann sollte man mit der OP warten, bis sie es nicht mehr benötigen. Wenn Sie Marcumar wegen einer Herzerkrankung, einer Lungenembolie oder eines Schlaganfalles nehmen ,müssen wir sie in einem persönlichen Gespräch genau beraten. Wichtig ist, dass Sie hierzu alle Arztberichte mitbringen.

 

 

Ich habe eine Blutgerinnungsstörung. Kann die OP bei mir durchgeführt werden ?

Hierbei muss man genau wissen, um welche Störung es sich handelt. In den allermeisten Fällen kann mit besonderen Vorkehrungen die OP durchgeführt werden.

 

 

Ich habe Kinder zu versorgen. Was muss ich dabei für die OP beachten ?

In den ersten Monaten nach der OP können Sie nur sehr eingeschränkt Ihre Kinder versorgen. Wenn die Kinder unter 12 Jahre sind, kann man über die Krankenkasse eine Haushaltshilfe stundenweise beantragen. Auskunft bekommen Sie bei Ihrer Krankenkasse.

 

 

Brauche ich für zu Hause besondere Hilfsmittel ?

Wichtig ist, dass Ihr Bett nicht zu niedrig ist, damit Sie beim Aufstehen aus dem Bett nicht in eine tiefe Hocke kommen. Gut wären 80cm Höhe. Da dies nur selten bei den Pat. der Fall ist, kann man Leihweise ein Bett über die Krankenkasse bekommen. Häufig ist hierfür ein persönlicher Kontakt mit den Krankenkassen sinnvoll, da die Berater in der Regel nicht über dieses OP-Verfahren Bescheid wissen. Weiterhin brauchen Sie einen Aufsatz für die Toilette. Sie bekommen nach der OP von uns ein Rezept, womit Sie den Aufsatz beim Orthopädietechniker bekommen können. Sie können bei uns vorgefertigte Formulare bekommen, mit denen Sie sich an Ihre Krankenkasse wenden können.

 

 

Brauche ich nach der OP besondere Medikamente ?

In den ersten Tagen bekommen Sie von uns eine spezielle Schmerztherapie. Nach 7 Tagen kommen die Pat. in der Regel mit normalen Schmerztabletten aus. Nach der Entlassung genügt häufig ein leichtes Schmerzmittel wie Paracetamol. Ansonsten brauchen Sie einen Schutz vor Thrombosen. Dafür benötigen Sie Thrombosespritzen. 

 

 

Muss ich für die OP Blut spenden ?

Aktuell benötigen weiniger als 20% unserer Beckenosteotomien nach der OP eine Blutübertragung. Hinzu kommt, dass wir das Blut, das Sie während der OP verlieren mit einem Cell-Saver sammeln und Ihnen im Aufwachraum oder sogar während der OP zurückgeben können. Somit macht eine Eigenblutspende nicht in jedem Fall Sinn. Genaueres können wir in einem Beratungsgespräch klären.

 

 

Sollte ich vor der OP besondere Übungen machen oder extra trainieren ?

Ein besonderes Training oder besonderer Sport ist nicht erforderlich. Sie können Sie jedoch mit den einzelnen krankengymnastischen Techniken, die Sie auf dieser Seite ansehen können, vertraut machen. Das erleichtert Ihnen das Aufstehen nach der OP.

 

  

Ich habe große Angst vor der OP. Gibt es nicht noch andere Möglichkeiten ?

In einem solchen Fall ist es häufig am besten ein persönliches Beratungsgespräch zu führen. In vielen Fällen besteht kein akuter Operationsbedarf . Somit kann man sich in der Regel auf eine OP gut vorbereiten. Die Entscheidung und die Beratung zu Alternativen sind sehr von dem jeweiligen Einzelfall abhängig. Daher ist es wichtig von einem erfahrenen Operateur für Beckenosteotomien beraten zu werden. Wir beraten Sie gerne.

 

  

 

Wird Sich meine Beinlänge durch die OP verändern?

In einigen Fällen kann es zu einer Verlängerung von bis zu 1cm kommen. Bei schweren Dysplasien kann die Verlängerung auch mehr sein. In ausgeprägten Fällen kann man mit einen Zusatzeingriff verhindern, dass es zu einer Verlängerung kommt.

 

 

Bei mir wurde in einer anderen Klinik bereits eine Beckenumstellung durchgeführt. Ich komme aber nicht zu recht und habe Schmerzen.

Dann sollten Sie zu einem Beratungsgespräch einen Termin vereinbaren. Bei Voroperationen kann eine Beratung manchmal sehr komplex sein und manchmal müssen auch noch einige Untersuchungen stattfinden, bevor man eine Aussage machen kann.

 

Mein Arzt möchte meine Hüftdysplasie arthroskopisch behandeln. Warum empfehlen sie eine größere Operation ?

Eine Hüftdysplasie kann man nicht arthroskopisch behandeln. Möglicherweise ist ihr Arzt der Meinung, dass noch eine andere Veränderung vorliegt die er zuerst arthroskopisch behandeln möchte. Sie sollten genauer erfragen, was er arthroskopisch behandeln möchte. Aktuelle Studien zeigen, dass eine Arthroskopie eine Hüftdysplasie zur Dekompensation bringen kann. Hier muss man bei einer Entscheidung für eine Arthroskopie sehr genau abwägen.

 

 

Mein Arzt möchte nur eine Oberschenkelumstellung machen und sagt eine Beckenumstellung oder Beckenosteotomie wäre nicht notwendig.

Bei einer Hüftdysplasie machen wir fast nie eine  alleinige Oberschenkelumstellung. Wir verfolgen die Philosophie, bei der Hüftdysplasie die kranke Hüftpfanne zu operieren. Dies geht nur über eine Beckenosteotomie. Bei anderen Hüfterkrankungen kann eine Oberschenkelumstellung die einzig richtige Behandlung sein und in diesen Fällen führen auch wir eine Oberschenkelumstellung durch. 

 

 

Ich habe einen Labrumriss und eine Hüftdysplasie. Was soll ich tun ?

Das ist eine schwierige Fragestellung. Man müsste das Ausmaß des Labrumschadens genau wissen. Studien haben ergeben, dass ein sehr großer Teil der Hüftdysplasiepatienten einen Labrumschaden haben. Die Allermeisten sind nach einer Beckenosteotomie beschwerdefrei.  Man geht derzeit davon aus, dass Labrumrisse aufgrund einer Hüftdysplasie ausheilen können, wenn man die Ursache des Risses (also die Hüftdysplasie) richtig behandelt. Größere Risse, die Restbeschwerden nach einer Beckenosteotomie machen können, kann man bei der Beckenosteotomie mitbehandeln. Eine Versorgung des Labrums ohne Beckenosteotomie macht aber keinen Sinn, da dann die Hüftdysplasie, die die Ursache für den Labrumschaden ist, ja dann fortbestehen würde.   

 

 

 

Rücktransport nach Hause:

Meine Krankenkasse möchte den Transport nach Hause nicht übernehmen:

Es kann in einigen Fällen vorkommen, dass die Krankenkasse für den Rücktransport tatsächlich die Kosten nicht übernehmen will. Falls dies bei Ihnen vorkommen sollte können Sie sich an uns wenden. In der Regel finden wir für jeden Fall eine Lösung. Bei einer Heimreise mit dem Flugzeug gibt es einige Aspekte zu beachten. Dies sollten wir auch individuell abklären.